Ein digitaler Wissensraum · Research & Insights · Stand: Juli 2026
Hinweis zum Format: Dies ist kein linearer Artikel, sondern ein strukturierter Wissensraum. Er beruht ausschließlich auf öffentlich zugänglichen Quellen und einer dreistufigen Quellenverifizierung. Die Autorin war nicht vor Ort und bewertet keine konkrete Betreuungsqualität aus eigener Anschauung – der Blick „aus der Ferne“ ist bewusst methodische Distanz, kein Ersatz für persönliche Erfahrung.
1. Warum dieser Blick aus der Ferne?
Wer eine regional verankerte Organisation aus der Distanz einordnen will, läuft Gefahr, entweder bei der Selbstdarstellung stehenzubleiben oder sie unbegründet in Zweifel zu ziehen. Dieser Wissensraum verfolgt einen dritten Weg: Er stellt das öffentlich beworbene Angebot der Asociación Asperger Baleares (AAB) neben das, was sich aus Registern, Finanzberichten und unabhängiger Presse tatsächlich belegen lässt – und benennt offen, was aus der Ferne nicht zu klären ist.
2. Von Familien gegründet – regional gewachsen
Die Asociación Asperger Baleares ist eine 2009 gegründete, gemeinnützige Vereinigung mit Sitz in Palma de Mallorca. Sie entstand aus der sozialen Notwendigkeit, Menschen mit Asperger-Syndrom bzw. Autismus-Spektrum-Störung (TEA) und ihre Familien zu begleiten – von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter. Rechtlich ist sie als gemeinnützige Einrichtung eingetragen (NIF **G57620874**, Registernummer im balearischen Vereinsregister **311000006786**). Der Status als „entidad de utilidad pública“ ist amtlich belegt: Die Orden INT/1210/2020 des spanischen Innenministeriums (veröffentlicht im BOE am 21. Dezember 2020) erklärt die „Associació Asperger Balears“ (Reg.-Nr. 6786) ausdrücklich zur Einrichtung von öffentlichem Nutzen.
Die Vereinigung ist Mitglied der Confederación Asperger España, dem nationalen Dachverband von rund 26 Asperger-/TEA-Organisationen. Präsidentin ist **Eva García Socias**, die den Verein auch bei offiziellen Anlässen vertritt – etwa bei einem Treffen mit der damaligen balearischen Regierungspräsidentin Francina Armengol im Parlament, das mit einer Institutionellen Erklärung zur Anerkennung der „discapacidad social“ bei Asperger/TEA endete. Der genaue Zeitpunkt lässt sich aus der Ferne nicht abschließend datieren, muss aber vor Armengols Wechsel an die Spitze des spanischen Kongresses im August 2023 liegen.
Zur Mitgliederzahl finden sich unterschiedliche Angaben je nach Zeitpunkt der Quelle: Ein 2023er-Profil nennt „mehr als 60 Familien“, die aktuelle Vereinswebsite spricht von „mehr als 120 Familien“. Diese Differenz liest sich am plausibelsten als organisches Wachstum über die Jahre, nicht als Widerspruch.
3. Was die Asociación anbietet
Das öffentlich beschriebene Angebot ist lebensphasenübergreifend angelegt und richtet sich an Kinder, Jugendliche, Erwachsene und deren Familien:
– Talleres de Habilidades Sociales – nach Alter gestaffelte Gruppentrainings zu Themen wie Angst, Selbstwert, Sozialisierung, Mobbing und Sexualität; eine formale Diagnose ist keine Teilnahmevoraussetzung.
– Individuelle Therapie/Intervention – durch ein multidisziplinäres Team, ausgerichtet an sozialen, familiären, schulischen und beruflichen Zielbereichen.
– Escuela de Padres / Escuela de Hermanos – psychoedukative Familien- und Geschwisterprogramme, für Mitglieder kostenfrei.
– Schulische Sensibilisierung – Workshops für Schüler:innen und Lehrkräfte zur Früherkennung und Inklusion.
– Berufliche Begleitung – von Bewerbung und Vorstellungsgespräch bis zur Einarbeitung, in Kooperation mit der Stiftung Esment.
– Freizeit- und Gemeinschaftsangebote sowie kostenfreie Erstberatung zu Behindertenausweis und Stipendien.
Diese Struktur verbindet damit fünf Lebensbereiche: Familie, Schule, soziale Beziehungen, emotionale Gesundheit und berufliche Teilhabe.
4. Vom Angebot zur tatsächlichen Leistung
Der Tätigkeitsbericht „Memoria de Actividades – Ejercicio 2024“ der Asociación Asperger Baleares ist unter aspergerbaleares.org öffentlich hinterlegt. Laut der von der Autorin persönlich eingesehenen Memoria de Actividades 2024 – deren Datei über keine maschinenlesbare Textebene verfügt und sich daher nicht automatisiert verifizieren lässt – nahmen im Berichtsjahr **126 Personen** an den nach Alter und Entwicklungsstand organisierten Sozialkompetenzgruppen teil. Zusätzlich dokumentiert die Asociación **433 psychologische Einzelsitzungen** und **14 Workshops** für Mütter, Väter und andere Angehörige.
Damit ist – auf Basis dieser manuellen Einsicht – plausibel, dass das auf der Website dargestellte psychosoziale Kernangebot nicht nur programmatisch beschrieben, sondern in erheblichem Umfang tatsächlich durchgeführt wurde. Zu den schulischen und beruflichen Angeboten enthält der Bericht dagegen keine vergleichbaren quantitativen Angaben – wie viele Schulen beraten, Lehrkräfte geschult oder Menschen bei der Arbeitsaufnahme begleitet wurden, bleibt öffentlich nicht erkennbar.
Hinweis zur Verifizierung: Die PDF-Datei besitzt keine maschinenlesbare Textebene; eine automatisierte Textextraktion war nicht möglich. Die Existenz und korrekte URL des Dokuments wurden maschinell direkt bestätigt; die genannten Zahlen selbst beruhen ausschließlich auf der persönlichen Direktprüfung durch die Autorin und sind damit methodisch eine Ausnahme vom sonst maschinell nachvollziehbaren Verifizierungsstandard dieses Wissensraums – vorläufige Primärangabe, kein Machine-Check.
Was sich hingegen zweifelsfrei belegen lässt: Die Finanzbilanz 2024 (siehe Abschnitt 6) zeigt reale Einnahmen aus Einzelsitzungen (43.374 €) und Gruppenangeboten (22.627 €) – das Angebot wird also nachweislich in einem wirtschaftlich relevanten Umfang tatsächlich durchgeführt, auch wenn genaue Fallzahlen offenbleiben.
5. Was Unterstützung kostet
Ein öffentlich zugängliches Preisblatt (Stand der Datei: mit „2023“ bezeichnet, aber erst 2026 online gestellt – die Aktualität ist daher nicht zweifelsfrei gesichert) nennt folgende Tarife:
Leistung | Mitglieder | Nichtmitglieder:
Gruppenangebote | 40 € / Monat | 70 € / Monat
Einzelsitzung | 40 € | 70 €
Mitgliedschaft | 42 € vierteljährlich / 80 € halbjährlich / 150 € jährlich
Für Personen mit Wohnsitz mehr als 30 km von Palma entfernt wird ein Nachlass von 5 € gewährt – ein kleiner, aber bemerkenswerter Ausgleich für die geografische Insellage.
6. Wie die Organisation finanziert wird
Der Finanzbericht 2024 weist Gesamteinnahmen aus eigener Tätigkeit von **180.217 €** aus. Die Aufschlüsselung zeigt ein gemischtes Modell:
– Öffentliche Zuschüsse: 64.042 € (rund 35,5 %)
– Einzelsitzungen: 43.374 €
– Mitgliedsbeiträge: 23.393 €
– Gruppenangebote: 22.627 €
– Spenden: 7.000 €
Der Jahresüberschuss betrug rund 31.054 €, die Personalkosten 114.292 €. Rund 35,5 % der Tätigkeitseinnahmen stammten aus öffentlichen Zuschüssen – die verbleibenden gut 64,5 % verteilen sich jedoch nicht nur auf Mitgliedschaft und bezahlte Leistung: Mitgliedsbeiträge, Gruppenangebote und Einzelsitzungen zusammen ergeben rund 89.394 € bzw. 49,6 % der Tätigkeitseinnahmen; der Rest stammt aus Spenden sowie Läufen, Märkten und weiteren Aktivitäten. Die Asociación trägt sich damit zu knapp zwei Dritteln aus nicht-öffentlichen Quellen – einem Mix aus Mitgliedschaft, kostenpflichtigen Leistungen, Spenden und eigenen Veranstaltungen.
7. Reichweite und räumliche Grenzen
Die Vereinswebsite nennt als Sitz die Calle Andrea Doria 40, Palma. Unabhängige Register- und Verzeichnisquellen (Handelsregisterauszug, Vereinsverzeichnis) führen daneben eine weitere Adresse: **Mateu Enric Lladó 34, Palma** – vermutlich eine frühere oder parallel genutzte Meldeadresse für rund 117 m² Praxisfläche mit zwei Gruppen-/Behandlungsräumen. Aus der Ferne lässt sich nicht abschließend klären, ob es sich um einen Umzug, zwei parallel genutzte Standorte oder eine reine Registeraktualisierung handelt.
Die Angebote sind erkennbar auf Palma konzentriert. Wie Menschen auf Menorca, Ibiza oder in entfernteren Teilen Mallorcas erreicht werden, ist öffentlich nicht dokumentiert – dafür existiert mit der Asociación Asperger Ibiza y Formentera eine eigenständige Schwesterorganisation für die Nachbarinseln.
8. Was aus öffentlichen Quellen nicht hervorgeht
Redlichkeit gegenüber den Leser:innen bedeutet auch, Lücken offen zu benennen:
– Wartelisten, Aufnahmekriterien oder Kapazitätsgrenzen sind nicht dokumentiert.
– Ob und in welchem Umfang eine formale Autismus-Diagnostik angeboten wird, bleibt unklar.
– Spezifische Angebote für spät diagnostizierte Erwachsene oder autistische Frauen sind nicht gesondert ausgewiesen.
– Online-Angebote oder Angebote außerhalb Palmas sind nicht erkennbar.
– Messbare Ergebnisse zu schulischer und beruflicher Integration (vermittelte Arbeitsplätze, geschulte Schulen) fehlen im öffentlich zugänglichen Material.
9. Einordnung
Die Asociación Asperger Baleares ist mehr als ein Interessenverband: Sie kombiniert psychosoziale Direktversorgung, Familienbegleitung, schulische Sensibilisierung und berufliche Integrationsarbeit in einer einzigen, überschaubaren Struktur – finanziert durch eine Mischung aus öffentlichen Zuschüssen, Mitgliedsbeiträgen und bezahlten Leistungen. Sie füllt damit sichtbar eine Lücke in der balearischen Versorgungslandschaft, insbesondere für autistische **Erwachsene**, für die es im öffentlichen System kaum spezialisierte Anlaufstellen gibt. Gleichzeitig bleibt die Organisation, gemessen an Personal- und Raumgröße, klein – ein Befund, der sich mit ihrer eigenen Aussage deckt, mehr Kapazität für weitere Aktivitäten und Gruppen zu benötigen.
Quellenbasis
🟢 Direkt ausgewertete und verifizierte Originalquellen:
– Website aspergerbaleares.org (Inicio, Quiénes somos, Servicios, Nuestro equipo, Nuestro centro, Contacto)
– Memoria Económica 2024 (PDF, direkt gelesen)
– CAIB-Registerdaten (NIF, Vereinsregisternummer)
– **BOE, Orden INT/1210/2020 (direkt abgerufen): amtliche Anerkennung als „entidad de utilidad pública“, Reg.-Nr. 6786**
– CAIB-Pressefoto/-meldung zum Parlamentstermin (Datum nicht exakt bestimmbar, aber vor August 2023)
– Última Hora, zwei Originalartikel (2022, 2024)
– ANSEDH-Kooperationsseite, SID Salamanca-Profil
🟢/🟡 Grenzfall (methodische Ausnahme):
– Memoria de Actividades – Ejercicio 2024 (aspergerbaleares.org/wp-content/uploads/2025/06/MEMORIA-ACTIVIDADES-2024.pdf) – URL und Existenz maschinell direkt bestätigt (echtes 11-seitiges PDF, kein toter Link); Inhalt mangels maschinenlesbarer Textebene nicht automatisiert extrahierbar. Die Zahlen (126 Teilnehmende Gruppen, 433 Einzelsitzungen, 14 Familienworkshops) beruhen ausschließlich auf persönlicher Direktprüfung durch die Autorin – eine methodische Ausnahme vom sonstigen Machine-Check-Standard dieses Wissensraums, keine automatisiert verifizierte Primärquelle im engeren Sinn.
🟡 Sekundärquellen (nicht selbst primärverifiziert):
– Google-Bewertung (nur über Drittportal)
– Kommerzieller Registerauszug (axesor.es) und Vereinsverzeichnis (asociate.es) zur Adress-Diskrepanz
– Tarif-PDF (Datierung unklar)
Versionshistorie
Dieser Wissensraum kann bei neuen belastbaren Quellen oder wesentlichen Entwicklungen aktualisiert werden. Änderungen werden transparent in der Versionshistorie dokumentiert.
| Version | Datum | Änderungen |
|---|---|---|
| 1.0 | 16.07.2026 | Erstveröffentlichung |
